The Marilyn dress oder: Ich wäre so gerne durchschnittlich!

8. Juli 2014
Durchschnitt zu sein ist nicht schlecht.
Zumindest nicht, wenn es um Schnittmuster geht.
Manchmal wünschte ich, ich hätte die durchschnittliche Größe, die durchschnittliche Figur und Körbchengröße, und überhaupt: Die ständigen Änderungen sind lästig und zeitraubend. Gefühlt sind es "postnatal" sogar mehr geworden, aber das kann natürlich jetzt auch Einbildung sein. ;)
Being average isn't a bad thing.
At least not as long as it's concerning patterns.
Sometimes I wish I was of average size, had an average figure and average cup size. Overall: I hate making adjustments. They are so time-consuming. It feels like I have to make even more adjustments after all that pregnancy and baby-stuff, but that might be imagination. ;)
The Marilyn Dress von Serendipity Studio @frauvau.blogspot.de
Kürzlich habe ich mich ja in weitschwingende Röcke verguckt, und das Marilyn dress von Serendipity Studio war doch genau das, was ich zum Ausführen meines tollen Petticoats gebrauchen kann.
Recently I fell in love with wide, swinging skirts and the Marilyn dress von Serendipity Studio was just what I was looking for to make use of my new petticoat.
The Marilyn Dress von Serendipity Studio @frauvau.blogspot.de
Ulkigerweise mußte ich das erste Mal eine "SBA", also eine "small bust alteration" machen.
Ehrlich - das ist mir noch nie passiert.
Natürlich habe ich ein bißchen im web gesucht, und hilfreich fand ich dafür Gerties Anleitung. Vor allen, weil das so hübsch einfach und flott ging...!
For the first time I had to make a "SBA", namely a "small bust alteration". Funny thing... never happened to me before.
Of course I searched the web for this alteration and I found Gerties tutorial extremely helpful. Maybe because it's made so very easy and quick...! 
The Marilyn Dress von Serendipity Studio @frauvau.blogspot.de
Nach der SBA habe ich mich dann um die klaffenden Armausschnitte gekümmert, denn in der unteren Hälfte des Armausschnittes hatte ich ja auch noch 3 cm zuviel an Weite - mit abkneifen war da nichts zu gewinnen, zumal die Mehrweite ja nur vorne war.
Da ich nach der SBA nicht mehr wußte, wo ich mit der Mehrweite hin sollte (und Abnäher gab es ja keine), habe ich mich für eine Verlagerung des Stoffes entschieden und damit auch gleichzeitig für eine kleine Designänderung am Oberteil.
Statt die Mehrweite im Brustbereich leicht einzukräuseln, habe ich nun schön gelegte Falten - aber das zeige ich später noch.
After making the SBA I had to adjust the armholes because in the lower half of the front armhole I had about 3 cm too much fabric.
Because of a lack of darts I didn't know where to put the width, so I decided for a small design change on the top. 
Instead of gathering the fabric below the bust I went for small pleats - but you'll see that later. 
The Marilyn Dress von Serendipity Studio @frauvau.blogspot.de
Nachdem der Nessel dann zufriedenstellend saß, habe ich mich mal mit der Anleitung beschäftigt... und sie gleich wieder weggelegt.
Es gab da ein paar Kleinigkeiten, die ich seltsam fand und die mir in der Form nicht gefallen haben, also habe ich einfach das getan, was ich für richtig halte: Futter im Oberteil eingebaut und mit dem Außenteil verstürtzt, topstitching durch understitching ersetzt und vor allem die Nahtzugaben entsprechend zurückgeschnitten und aufgebügelt statt immer nur in eine Richtung.
Alles Geschmackssache, ganz klar. Aber ich fühlte mich damit wohler, denn das Futter im Oberteil stabilisiert ja auch nochmal zusätzlich, und ich finde das wichtig. Auch, wenn's nur der Einbildung dient.
After the muslin was fitted to my satisfaction I went through the instructions... and put them right away. 
There were a few minor things I didn't like and somehow found strange, so I did what I thought would work better: I added a lining to the top and bagged it with the exterior fabric, went for a decent understitching instead of topstitching and most of all cut back all seam allowances and pressed them open instead of just into one direction. 
A matter of taste, obviously. But it made me feel better, because the lining stabilises the top a bit more, and I think that's important. Even if it's just for my imagination. 
The Marilyn Dress von Serendipity Studio @frauvau.blogspot.de
Natürlich konnte ich wiedermal an Paspeln nicht vorbei...
Of course I couldn't help myself and added some piping...
The Marilyn Dress von Serendipity Studio @frauvau.blogspot.de
Das wurde dann im Nahtschatten nochmal abgesteppt, was auch gleichzeitig auf der Rückseite die Nahtzugaben fixiert hat.
The piping was stitched in the ditch, which at the same time fixed the seam allowances on the backside. 

Das Futter und den Außenstoff habe ich wieder nach dieser Anleitung verstürzt. Das sieht zwischendurch mal etwas seltsam aus, funktioniert aber wirklich hervorragend, ich bin immer wieder ganz verliebt, daß das so flott und problemlos geht!
The top was bagged using this tutorial again. It looks a bit strange during the process, but it works like a charm and I'm in love with this wonderful way of lining a (sleeveless) dress! 
The Marilyn Dress von Serendipity Studio @frauvau.blogspot.de
Zwischenzeitlich sind sogar der Reißverschluß schon drin und der Rock dran, das ganze hängt aber noch ein bißchen an Püppi aus, damit der Saum später gerade wird.
Meanwhile the zipper is sewn in and the skirt is added. The dress hangs on Püppi so the hemline will be straight later. 
 
Am Ende ist es ja eigentlich auch egal, wie viel Arbeit und Zeit in Nesseln und Schnittanpassungen steckt, sind sie doch ein Teil vom Werdegang eines Projekts. (Und mal unter uns Klosterschwestern: Wir haben doch Spaß an der Herausforderung, oder?!)
Nur manchmal, manchmal möchte ich Durchschnitt sein und einfach drauflosnähen können... ;)
In the end it's not important how much work and time goes into muslins and pattern alterations, because it's part of the project. (And let's be honest: We want the challenge, don't we? It's part of the fun!)
Just sometimes I want to be average and be able to just sew right away... ;)

Demnächst also mehr - gleiche Welle, gleiche Stelle! :)
See you soon! :)
Herzlichst, Frau Vau

Kommentare:

  1. Ich habe bisher nur LBAs machen müssen, keine SBAs. Und ich mache keine Nessel, sondern nähe erst das Futter und dann den Außenstoff, dann kann ich anpassen und muss nicht 3 Mal nähen... Aber ich bin schon sehr gespannt auf das fertige Kleid, der Schnitt ist sehr schön!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Bei erprobten Schnittmusterherstellern würde ich das auch eher ohne Nessel machen - da weiß man ja meistens, wo's zwickt oder harpert, wo die Anpassungen fällig sind und wo nicht. Aber gerade bei den Indie-Mustern ist das ein MUST, weil ich da überhaupt nicht weiß, wo oder ob Anpassungen nötig sind.
      Hier mußte ich z. B. nicht kürzen, was ich sonst IMMER machen muß. Dafür war das Körbchen zu groß, was es sonst eben nicht ist.
      Bevor ich da zweimal Futter zerschnippele, gibt's in solchen Fällen dann doch lieber den Nessel ;)

      Löschen
  2. durschnittlich? was ist eiegntlich durchschnitt? ich arbeite mit so vielen untershciedlichen frauen in eminen kursen. es gibt keinen durchschnitt! ich passe an JEDER frau was an.
    auf Gerties anleitungen würde ich nciht so viel wert legen. in anderen bücher ,u.a. von Burda gibts professioelle anletungen,wie man die korrekturen vornimmt. Gertie näht nciht mal so lange.
    du hast aber sehr schönes modell ausgesucht. ich habe bei mir siet 2 jahren auch 2 shcnittmuster davon liegen,aber sommer kommt nicht.-)
    wenn du vintage-kleidung nähen möchtest zu deinen petticoats, gibts doch tolle shcnitte von butterick und simplicity!?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ui, da gibt's ja viel zu beantworten ;)
      Durchschnitt: Schnitt raussuchen, losnähen. Den Maßen (z. B. von Burda oder Vogue) entsprechen. Deren "Durchschnitt" erfüllen.
      Wäre manchmal ganz nett und zeitsparend. Ob das notwendig oder toll ist, sei dahingestellt. Wäre ja langweilig, wenn alle gleich aussehen würden... so irgendwie. ;)

      Die von Dir angesprochenen Bücher finden sich auch in meinem Bücherschrank, in verschiedenen Ausgaben und Sprachen. In Sachen SBA gibt's da gar nichts - man dreht also eine FBA, die ja meist enthalten ist, einfach um.
      Wenn man das noch nie machen mußte, ist das Umdenken nervig und das Ergebnis nicht zufriedenstellend (ich hab's getestet!). Die Sache von Gertie funktionierte, war einfach und entsprach meinem Problem mit dem fehlenden Abnäher. Denn: Bei SBAs wird meistens Mehrweite in einen (oder mehrere) Abnäher verschoben. Die hatte ich ja nicht und wollte auch keine einfügen.
      Mein persönliches Fazit: Quick and dirty ist manchmal besser (und einfacher und schneller) als elegant und "richtig".
      Bei einem Schnitt mit entsprechenden Abnähern sieht das schon wieder anders aus, insofern stimme ich Dir zu :)

      Vintage Schnitte habe ich viele - aber nicht die Gelegenheit zum Tragen. Schade. Hier würde das maximal in hochgezogenen Augenbrauen enden, und in meinen Alltag lassen die sich auch nicht so ohne weiteres einbauen. Das wäre schon schön, muß ich sagen :)
      Erstmal muß ich eine neue Garderobe aufbauen. Von den "pränatalen" Sachen passt nichts mehr so, wie es soll :/
      "Sewing with a plan" ist demnächst angesagt. Mal sehen, ob das was wird, denn Plan hab ich ja keinen ;)

      Ich drück Dir die Daumen, daß der Sommer noch bei Dir ankommt!!! :)
      Liebe Grüße
      Katrin

      Löschen
    2. ok, verstanden:-)
      mit vinatge-schnitten ist so,dass diese moderne nicht sooo vintagig sind wie originale(deswegen nähe ich auch nur oder fast nur originale). und eine gute sache ist auch bei den modernen vintage-schnitten. wenn du petticoat dazu trägst- ist das vintage- wenn du keins dzu trägst,dann ist das völlig alltäglich. also keiner wird sich auf der strasse umdreghen. und auch das ist nicht mehr so. als ich angefangen habe vintage zu nähen und zu tragen(es war 2009) drehten sich tatsächlich die leute um oder sprachen mich auf dies und jenes an. mittlerweile ist der markt mit industrie gesätigt- niemand staunt mehr:-)


      Löschen
    3. Hach, die "echten" alten Schnitte sind nicht mit meiner Figur kompatibel. Ich bin ja eher ein fröhliches Rechteck als eine Sanduhr. Aber die sind schon schön. Ich habe hier einige Burdas aus den 50ern, da sind traumhafte Modelle drin *schwärm* :)

      Löschen
  3. you do such good work. will you change hair to go with the pink? ;P

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. In short: NO!!! ;)
      I'll make them go blind!

      Löschen
    2. "Future's so bright, you gotta wear shades"

      Löschen
  4. Sehr schön (und gar nicht schwarz!) Ich finde die Lösung mit den Falten toll- Kräusel sind schnell mal zu "niedlich". Und die Paspel...?! Erwähnte ich schon mal, dass ich Paspeln liebe?!
    Die Technik an den Ärmeln finde ich etwas seltsam- Dein sauberes Ergebnis spricht zwar dafür- aber ich mag lieber, wenn die Schultern am Schluss geschlossen werden. Gewohnheitstier... Ich habe da mehr Überblick, dass keine Mehrweite im Futter ist. Das Einknipsen und Beischneiden der Rundungen und Bügeln geht ohne Gewurschtel. Aber bekanntlich führen viele Wege nach Rom und man sollte immer mal wieder über den Tellerrand schauen :)

    Liebe Grüße
    Ute

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich kann mich dunkel erinnern... da war was mit Paspeln... :)
      Das mit dem Beischneiden und Bügeln macht man dann halt auf zwei Etappen, geht aber genauso gut wie "normal", aber man hat halt keinerlei Handnähte zu machen.
      Allerdings muß der Träger eine gewisse Breite haben, sonst klappt das nicht.
      Inzwischen ist der Saum auch dran, aber Fotos fehlen noch. Uaaah. Ich bräuchte mehr Freizeit! ;)

      Löschen
  5. Mit einem Nesselmodell zu hantieren ist auch viel einfacher als Folie anzuprobieren oder mit flutschigen Futter Abänderungen zu ertasten. Ich mag das bei unbekannten Schnitten auch gern.
    Aber in der Regel finde ich in meinem umfangreichen Burda-Archiv für meine völlig durchschnittliche Burdafigur immer etwas , das ich als Basis nehmen kann.
    Das Kleid wird sicher grandios, du verarbeitest auch immer so schön.

    (Ich überlege gerade, ob ich dich schon mal in etwas Pinkem gesehen habe- so spontan würde ich das eher verneinen. Aber zu dem Schnitt passt das.)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hihi... Nein, in Pink hast Du mich sicher noch nicht gesehen. Das hat wohl noch niemand. Obwohl ich Pink mag (ich hab ja mehrerererere Paar Schuhe in Pink!).
      Nur so neben dem Gesicht mag ich es nicht leiden.

      Inzwischen hab ich auch ein Burda-Oberteil testgenäht und befunden, daß das nochmal aus richtigem Stoff folgt. Demnächst dann mehr dazu :)

      Löschen

Danke, daß Du Dir Zeit nimmst, mir einen Kommentar zu hinterlassen, ich freue mich sehr darüber! ♥