TFT - oder "Fail stricktechnischer Art"?

29. April 2015
Manchmal passiert es einfach.
Ein Projekt, in das man Zeit gesteckt hat (und manchmal nicht gerade wenig), ist ein "Teil für die Tonne".

Eine Fehlinterpretation in der Anleitung (die man vorher verändert hat  hüstel), eine falsche Passform, oder es ist halt nach Fertigstellung einfach nicht "die große Liebe".

Entweder lässt man das Teil dann sang- und klanglos in einer großen Kiste verschwinden, oder man steht dazu.
Oder - bei Gestricktem ja Gottlob leicht möglich - man trennt es auf.

An dieser Stelle muss ich sagen: Stricken hat den Vorteil, dass es "vergebender" ist, als Nähen.
Und ja, ich behaupte sogar, dass es auf seine eigene Weise sogar einfacher ist, weil man Fehler schlicht und ergreifend ribbeln kann, ohne Materialverlust zu erleiden. Beim Nähen ist das ja oft nicht der Fall.
Ich weiß, dass mich alle Stricker der Welt jetzt gerne steinigen würden. Aber das ist meine Meinung, und ich stehe dazu. 

Nun, hier ist also ein Teil der Kategorie "nicht die große Liebe":
Aestlight meets Semele @frauvau.blogspot.de
Man sieht: Ich habe noch nichtmal die Fäden vernäht, denn ich war mir eigentlich gleich schon beim Spannen sicher, dass das "nix wird".

Der geneigte Leser erkennt hier eventuell, dass es sich um einen Frontalzusammenstoß zweier Strickmuster handelt, und zwar um den Blätter-Rand des von mir so heißgeliebten Semele, und einem dreieckigen Grundmuster.
Hier habe ich mir den Aestlight Shawl eingebildet. Der ist zwar durch die kraus rechts gestrickte Mitte wunderbar fluffig (und, mangels eines deutschen Wortes dafür: herrlich "squishy"), aber zu dem Blättermuster am Rand definitiv die falsche Wahl.

Es trafen also eine extrem dehnbare Mitte und ein weniger dehnbares Lace-Blattmuster aufeinander. Beim Spannen hat sich das gerächt, und mir sind die Mundwinkel ziemlich nach unten gerutscht...
Aestlight meets Semele @frauvau.blogspot.de
Im Tragen fällt es nicht so auf, das gebe ich zu.

Aber... hm.
Ich hardere doch schwer mit dem WP (=widerlichen Perfektionisten) in mir, ob ich das so lassen möchte. Geplant war das Ganze eigentlich als Geschenk für's Schwesterkind, aber die hat dann doch lieber eine (zumindest fehlerfreie) Grete bekommen.

Was mache ich nun? 
Vielleicht doch vernähen und verschenken?
Erstmal fragen? (Dann bestünde die Gefahr, dass es als "das ist doch gut so" hingenommen wird, und das mag ich nicht.)
Oder ribbeln und neu stricken bzw. etwas anderes stricken?

Was würdet ihr tun?
Und Hand auf's Herz: Passiert euch sowas auch manchmal? So ein kompletter #fail?
Es würde mich ja freuen beruhigen, wenn das so wäre...

Herzlichst,   
Herzlichst, Frau Vau

Kommentare:

  1. Ohje, manchmal? Ich habe eher das Gefühl, dass es mehr teile für die Tonne gibt als solche die meinem ekelhaften Perfektionismus stand halten. Ich habe ein Kleid, das sich zwischen Fertigstellung und erster Anrpobe plötzlich und unerwartet in ein besseres Handtuch verwandelt hat (mir ist bis heute unklar wie das passieren konnte. Ein Pullover mit fehlenen Abnäher und falscher, ganz falscher Farbe - auch die hat sich aus meiner Sicht irgendwie während des Strickvorganges verändert.

    Meistens lasse ich sowas unverbloggt und stopfe es - aus den Augen aus dem Sinn - irgendwo hin. Ein bisschen auch aus Angst, dass mein Perfektionismus entdeckt werden könnte, weil alle anderen es gar nicht so schlimm finden. Manchmal muss ich es verbloggen, aber dann zerreisse ich meistens selbst schon dermaßen, dass sich niemand traut etwas Positives zu schreiben ;)

    Es ist aber mit Kaufkleidung auch nichts anderes, also nehme ich es sportlich, verbuche es unter Erfahrung und mache mich an das nächste.

    Verschenken fände ich schön, wenn Du jemanden hast, der es möchte (bitte nicht irgendwem aufdrängen, aber so schätze ich Dich auch nicht ein), ansonsten aufribbeln und für etwas anderes verwenden - vielleicht ein Bettschal? :D

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    1. Gnihihi... kein Bettschal ;)

      Ja, manchmal hat man einfach solche "Anfälle" von "neee...das kann's nicht gewesen sein!"

      Sehr beruhigend, dass Du das auch hast. Ich schätze Dich schon eher als perfektionistisch ein (und das darfst Du als Kompliment auffassen, denn so ist es gemeint).

      Verschenken würde ich sowas nur nach vorheriger Nachfrage.
      Und ohnehin: Selbstgemachtes nur an Leute, die das auch mögen, denn für alles andere ist mir auch meine Zeit zu schade.

      Im Augenblick ist mir (immernoch) eher nach ribbeln. Darauf wird's wohl rauslaufen.

      Liebe Grüße
      Katrin :)

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  2. Ganz ehrlich? Ich ribbele. Es sei denn ich rede mir ein das muss so. Das aber wiederum beim nähen, da man da nicht ribbeln kann.
    Ganz lieben dank für all die netten Kommentare. Du darfst dich jederzeit wiederholen.
    Lg monika

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    1. Ja, ich bin auch eher schmerzfrei, was das Ribbeln betrifft.
      Klar tut es mir leid um die Zeit, aber ... noch schlimmer fände ich es, die Zeit in etwas investiert zu haben, was nun wirklich GAR keinen Nutzen hat und nur rumliegt.

      Ich darf bei Dir nicht mehr gucken kommen... das ist ganz böse mit Deinen Kleidern. Immer dieses "habenwill" danach. Ganz schrecklich! ;)

      Liebe Grüße
      Katrin

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  3. Oh ja. Diese fails kenne ich auch. Bei Deinem "Gestricktes kann man ja aufribbeln" konnte ich nur ungläubig staunen! Für mich gibt's kaum was schlimmeres, als Gestricktes teilweise wieder aufzuziehen und dann die Maschen wieder aufnehmen zu müssen. Und dann noch der Zeitaufwand, der da einfach wieder in Luft aufgelöst wird. Uaaaah! Einer der Gründe, weshalb ich niemals nicht über's einfache Tücher-Schals-und-Socken-Stricken rauskommen werde. Ich wage mich keinesfalls an passformsensible Teile, weil man da sooo viel Zeit reinsteckt und wenn's dann nicht passt. Wie schrecklich! Beim Nähen ist so ein fail natürlich auch ärgerlich, aber zumindest vom Zeitaufwand her nur ein Bruchteil. Wenn ich Schnitte ausprobiere, die ich noch nicht kenne und über deren Passform ich mir noch nicht ganz sicher sein kann, dann nähe ich zur Probe aus einem günstigen Stoff, oder sogar aus alten Bettlaken. Da juckt's mich dann Null, wenn es nichts wird.
    Was relativ schlimm für mich wäre, wenn ein Quilt ein Reinfall würde... Da steckt in der Regel wirklich ziemlich viel Materialwert und auch einiges an Zeit drin. Letztlich würde sich aber auch dafür sicher jemand finden, der ihn sich gern schenken lässt ;O)
    Herzliche Grüße
    annilu

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    1. Hm, da müsste ich fast sagen: Siehe oben.
      Ja, schade um die investierte Zeit. Aber lieber aufdröseln und was Gescheites draus machen, als die Zeit verloren zu haben, das Material eigentlich auch, und dann ärgert man sich doch jedes Mal, wenn man es sieht.
      Lieber kurz und schmerzlos drauflosgeribbelt...

      Unbekannte Schnitte mache ich auch erstmal aus Nessel oder so - aber MIR passiert es gerne mal, dass ich dann beim Original einen blöden Fehler mache, weil ich zu schnell bin (oder schneller sein will/muss) oder einfach nach einer Weile unkonzentriert werde.
      Doch, mir passiert sowas. Und auch schon so massiv, dass ich beim Auftrennen vor lauter Wut ein Loch produziert habe, was sich nicht ohne weiteres verdecken ließ.

      Bei einem Quilt würden mir Fehler vermutlich gar nicht auffallen, die Dir vielleicht schon ins Auge stechen. Also immer her damit ;)

      Liebe Grüße
      Katrin

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  4. Ich weiß gar nicht, was da falsch sein soll- außer, dass die Farben gar nicht meine sind...
    Um den Hals drapiert schaut es sehr fein aus- also Fäden vernäht und dem Schwesterherz gezeigt.

    :)

    Liebe Grüße
    Ute

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    1. DIR würde ich solche Farben auch nicht schenken, meine Liebe.
      Mir selbst übrigens auch nicht, das Senfgelb steht mir nicht. Dem Schwesterkind hingegen hervorragend. Anderer Hauttyp und ganz dunkle Haare.
      Vielleicht frag ich sie mal. Und wenn nicht, ribbel ich den Rand und stricke den Original-Aestlight-Rand dran. Der wird wohl passen ;)

      Liebe Grüße
      Katrin

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  5. Ja, ich habe gerade einen entsorgt. Und werde ihn auf jeden Fall bloggen, der Ehrlichkeit wegen...

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    1. Ja, man kann ja auch zugeben, dass mal was in die Hose geht, find ich.
      Immer perfekt ist natürlich schöner, aber bei wem klappt das schon?!

      Liebe Grüße
      Katrin

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  6. Ja, das passiert... :o

    Beim Stricken trenne ich inzwischen eher schon auf, bevor es fertig ist. Nämlich dann, wenn mein Bauchgefühl laut wird. (Und ich mich entscheide, es nicht zu ignorieren.)

    Wenn es fertig ist, würde ich (es sei denn, das Garn ist aus irgendwelchen Gründen unwiederbringlich und extrem geliebt) fertig machen, zwei Mal pflichtschuldig tragen und dann drei Jahre im Schrank lagern.

    Und entweder es landet irgendwann wieder oben und gefällt mir dann spontan oder es wird wahlweise bei Ravelry eingetauscht (wo dann ja jeder sehen kann, ob es ihm gefällt) oder "anlasslos" verschenkt (an marodierende Teenager) oder wandert in die Kleidersammlung.

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    1. Jetzt musste ich aber lachen... "marodierende Teenager"... Herrlich!
      Sowas habe ich ja (noch) nicht, und vermutlich wird der Kurze sich dann auch eher weniger für solche Strickwerke interessieren.

      Aber Du hast recht: Wenn das Bauchgefühl nicht stimmt, dann sollte man auch drauf hören. Werd ich wohl auch machen...

      Liebe Grüße
      Katrin

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  7. Ach, wie ärgerlich, dabei passen ja auch die Farben so gut zusammen! Aber wenn man selber nicht zufrieden damit ist, mag man es weder verschenken noch macht das Selbertragen später Freude. Ich kenne das nur zu gut, insofern ist dir dsa vielleicht ein kleiner kleiner Trost: Du bist nicht allein! ;-)
    Aber: nach dem Schal ist vor dem Schal, deshalb beiseite legen, vergessen und neu anfangen.
    LG. Susanne

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    1. Mh. Beiseite legen geht, vergessen... ganz schwer. Ich bin da eher ein Beißer, wenn ich das so formulieren darf. Vor dem vergessen kommt da doch eher Ribbeln und neu stricken. Sozusagen erst das eine fertigmachen, bevor das nächste gestartet wird. Strafarbeit, wenn Du so möchtest.

      Aber ich bin ja ganz beruhigt, dass es sooooo vielen auch so geht wie mir! :)

      Liebe Grüße
      Katrin

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  8. Hallo Katrin,
    sowas passiert immer mal . Ich weiß nicht warum, aber obwohl ich manchmal sehr früh merke dass da etwas nicht stimmt, stricke ich weiter und bilde mir ein, dass es schon noch wird. In 95 % der Fälle wird das aber dann doch nichts, und das Teil landet in der Ecke. Geribbelt wird, wenn ich das Material unbedingt sofort für etwas anderes brauche oder wenn es sehr teuer war. Ganz fertige Sachen verschenke ich an Leute die sich über Handarbeit freuen und weniger kritisch sind als ich. Allerdings sehr selten an meine Schwestern. Meine ältere Schwester schätzt die Sachen nämlich so sehr, dass ich bei einem Umzug eine ganze Kiste mit Strickmodellen aus meiner Teenie-Zeit gefunden habe. Die hat sie aufbewahrt, obwohl schon lange unmodern/rausgewachsen ;-) Das geht gar nicht ! Was nicht getragen wird muss ein neues zu Hause finden, auch wenn es viel Arbeit war :-)

    Liebe Grüße
    Angelika

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  9. Anonym08:46

    Hallo,

    ich würde den Rand ribbeln, wenn du damit nicht zufrieden bist. Ja, ich habe auch schon komplette Oberteile für das Ribbelmonster gestrickt. Falsche Garn z.B. leierte beim tragen wahnsinnig und anstand S war es nacher XXL oder es stand mir einfach nicht. Eine Befürchtung, die ich von Anfang an hegte und beim provisorischen Anprobieren bewahrheitete es sich (hier das Modell http://www.purlbee.com/2014/07/20/lauras-loop-bamboo-shell/)
    Mach dir nichts aus deinem Missfallen und ribbeln den rand und strick etwas anderes dran.

    lg Kathie Jo

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  10. Ist die Kante gleich mit angestrickt oder ist die eine nachträglich angstrickte Kante (also die Blätter). Im letzteren Fall, würd ich die abtrennen und die andere Kante ansetzen.
    Da die Farben so gar nicht meins sind, kann ich dazu schlecht was sagen.

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    1. Die Kante ist angesetzt, kann also einzeln geribbelt werden. Darauf wird's auch rauslaufen, denk ich. Der Innenteil ist ja okay und gefällt mir vom Anfassen her auch echt gut.
      Bei Teilen, die nicht für mich bestimmt sind, kann ich auch mal echt farbenblind sein. Sonst würde ich auch kein Gelb oder so verarbeiten... ;)

      Liebe Grüße gen NOrden!
      Katrin

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  11. Moin :)

    und wenn Du nur das Blattmuster wegtrennst? Und stattdessen die vorgesehene Kante, also die Dreiecke, strickst? Weil, schön isser ja Dein Aestlight!

    LG
    Cleo

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    1. Jap, haste recht, Cleo. Das wird's Beste sein!
      Wobei mir ja die Dreiecke nicht so dolle gefallen haben. Aber die sind dann zumindest passender als die Blätter (von der Elastizität her)... :)

      Liebe Grüße
      Katrin :)

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    2. Anonym17:30

      Hallo, also ich finde den Rand mit den Blätter zeimlich gut, denn die Dreiecke sind etwas `langweilig`.
      Mir geht es manchmal so wenn ich was stricke, denke ich oh nein.
      Aber dann dann wasche und spanne ich das Tuch finde es oft gar nicht schlecht.
      Im Zweifel kommt es in meine Vorratskiste zum Verschenken an z.B. nette Menschen, Trottwar oder.......
      Also ich würde die Kant dranlassen. Ist mal was anderes.
      Grüße Maja

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    3. Tja, nachdem die Blätterkante sich ja nach dem Spannen als nicht dehnfähig genug erwiesen hat, werde ich um's Ribbeln nicht rumkommen.
      Vielleicht hüpft mich ja noch ein anderer Rand an - die Dreiecke finde ich nämlich auch nicht so toll, muss ich zugeben...

      Liebe Grüße
      Katrin

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Danke, daß Du Dir Zeit nimmst, mir einen Kommentar zu hinterlassen, ich freue mich sehr darüber! ♥